Xantener verwandelt mexikanisches Bauerndorf durch Solarenergie

Pressedienst Bistum Münster 08.07.21
Xantener verwandelt mexikanisches Bauerndorf durch Solarenergie
Adveniat und Bistum haben Werkstatt von Gregor Schäpers unterstützt
Xanten/Cardonal (Mexiko) (pbm/cb). Gregor Schäpers aus Xanten krempelt die Ärmel hoch
und bearbeitet mit Schmackes den Hefeteig, während draußen in der mexikanischen Halbwüste
die Kakteen der Mittagshitze trotzen. Dann, als der Kuchen mit Apfelmus bestrichen im
Ofen verschwindet, kommt die Sonne zum Einsatz: Denn der Ofen wird solar betrieben und
kommt ohne fossile Energie aus. Möglich wird das durch einen Scheffler-Reflektor, der vor
Schäpers Küchenfenster steht. Er konzentriert das Sonnenlicht auf einen Punkt, der einen Eisenkern
aufheizt und damit genügend Wärme erzeugt, dass eine mehrköpfige Familie davon
tagsüber kochen oder backen kann. Mit solchen Reflektoren will Schäpers seine Wahlheimat,
das Valle de Mezquital, ins 21. Jahrhundert katapultieren. Die Gegend liegt nur drei Stunden
von Mexiko-Stadt entfernt, gehört jedoch wegen ihrer kargen Böden zu den armen Teilen des
Landes. Die Menschen leben von Viehzucht, etwas Tourismus und dem Anbau von Agaven,
die als Nahrungsmittel, Viehfutter, als Rohmaterial für Sirup oder das traditionelle Agavenbier
„Pulque“ dienen. Es regnet selten – ideale Voraussetzung für Schäpers Reflektoren.
Gebaut hat er sie in einer Werkstatt, die vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat und dem Bistum
Münster mitfinanziert wurde, und deren Ursprung auf eine Bistumspartnerschaft aus den
1960er-Jahren zurückgeht. Während des Zweiten Vatikanischen Konzils lernten sich die Bischöfe
aus Münster und Tula kennen und beschlossen, in Cardonal im Mezquital-Tal ein Sozialzentrum
aufzubauen. Geleitet wurde es von zwei Canisianerbrüdern aus Münster, die Pastoral-
und Entwicklungsarbeit vereinten. In der angeschlossenen Werkstatt entwarfen sie Modelle
für Kirchen und für Landmaschinen. Neben der Seelsorge wurden auch Webereien,
Schweinezuchten und Nähereien aufgebaut. Schäpers kam in den 1990er-Jahren über den
Freiwilligendienst des Bistums Münster nach Cardonal und war beeindruckt von dem Wandel,
den die Kirche bewirkt hatte. Nach seinem Studium der Regionalwissenschaften Lateinamerika
kehrte er zurück, heiratete im Jahr 2006 eine Mexikanerin und gründete seine eigene
Firma „Trinysol“. 2016 übernahm er die Werkstatt, als die Canisianerbrüder sich altersbedingt
zurückziehen mussten.
„Jetzt gilt es, in die Zukunft zu blicken“, sagt der 44-jährige Familienvater. Solar-Warmwasserboiler
und Scheffler-Reflektoren waren die ersten Produkte, die seine Firma „Trinysol“ fertigte.
Noch immer stehen sie bei vielen Hotels der Gegend auf dem Dach. Heute aber macht
ihm die billigere Konkurrenz aus China zu schaffen. Deshalb setzt er nun auf solares Kochen
und die Scheffler-Paneele, die das ermöglichen. Sie wirken wie überdimensionale Satellitenschüsseln
und geben der von Schafen und Kakteen dominierten Wüstenlandschaft einen futuristischen
Anstrich. Ihr Prinzip, die Energie der Sonnenstrahlen auf einen Punkt zu bündeln,
ist so simpel wie genial. In Indien sind sie bereits in Großküchen auf dem Land im Einsatz.
Schäpers hat sie verfeinert und experimentiert mit unterschiedlichen Materialien für die kleinen
Spiegel. Solares Kochen und Destillieren ist für ihn ein Quantensprung weg von fossilen
Energien. Kunden sieht er vor allem im Mittelstand – in Bäckereien und Tortilla-Fabriken, in
Käsereien oder auch Tequilabrennereien, von denen es im Umkreis und im sonnenreichen
Mexiko viele gibt. Gelänge es, in der Region eine Solar-Ökonomie zu etablieren, könnte das
Valle de Mezquital zu einem Vorreiter werden.
„Diese Technologie schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe“, sagt Schäpers. Solarenergie ist
sauber, kostengünstig und vermindert den Brennholzbedarf. So wird der Mittelstand in der
Region gestärkt und die einmalige Kakteen-Kulturlandschaft kann erhalten und gleichzeitig
wirtschaftlich genutzt werden. Außerdem schafft die neue Technologie Arbeitsplätze. In der
ehemaligen Werkstatt der Canisianer sind derzeit 15 Angestellte beschäftigt. Einer von ihnen
ist Don Cutberto Romero. Seit 1993 arbeitet er hier als Dreher und konnte damit seinen drei
Söhnen ein Studium ermöglichen. „Die Werkstatt ist einmalig in der Region, ohne sie wären
wir kaum so weit gekommen“, sagt Romero. In der Solarenergie sieht er die Zukunft für Mexiko.
„Wir haben über 300 Sonnentage im Jahr, es wäre doch dumm, das nicht zu nutzen“,
sagt der 55-Jährige. Eine Solarküche findet er nicht abwegig. Seit zehn Jahren hat er daheim
einen Solar-Warmwasserboiler von „Trinysol“ auf dem Dach. „Nie hatte ich damit ein Problem.
Es ist halt deutsch-mexikanische Wertarbeit“, meint er schmunzelnd.
(Text: Adveniat / Sandra Weiss)
Bildunterschriften
Schaepers – Gregor Schäpers ist von Xanten nach Mexiko gezogen. Seine Scheffler-Paneele
wirken futuristisch zwischen den Kakteen. (Foto: Adveniat /Hans-Maximo Musielik)
Solar – Mehr als 300 Sonnentage im Jahr gibt es in Mexiko – Gregor Schäpers fertigt Kollektoren,
um die Energie zu nutzen. (Foto: Adveniat /Hans-Maximo Musielik)
Kuchen – Wenn Gregor Schäpers einen Apfelkuchen backt, kommt die Energie direkt von der
Sonne. (Foto: Adveniat /Hans-Maximo Musielik)
Romero – Don Cutberto Romero ist einer von 15 Angestellten in der Werkstatt von Gregor
Schäpers. Dort arbeitet er als Dreher. (Foto: Adveniat /Hans-Maximo Musielik)

Kontakt

Kreisdekanat Wesel
Sandstraße 24
46483 Wesel
Fon 0281 22249
Fax 0281 31581
kd-Wesel@bistum-muenster.de

Logo Bistum Münster