Wer Sterbende begleitet, muss sich selbst zurücknehmen können

Pressedienst Bistum Münster 30.11.21
Wer Sterbende begleitet, muss sich selbst zurücknehmen können
Zertifikate an 14 neue ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen verliehen
Niederrhein/Uedem (pbm/cb). „Einen Sterbenden zu begleiten ist jedes Mal eine neue Erfahrung“
– Christine Deumers denkt konzentriert nach. „Die Tür geht bei einer ersten Begegnung
selten auf die gleiche Weise auf“, ergänzt sie schließlich. Türen öffnen, zuhören, trösten, wenn
der Tod nahe ist, das macht Christine Deumers ehrenamtlich. Sie gehört zu den 14 Frauen, die
beim Malteser Hilfsdienst am Niederrhein für die Begleitung im ambulanten Hospizdienst wurden
und nun ihre Zertifikate erhalten haben.
Die 40-jährige Mutter aus Uedem hat schon mehrfach Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet,
im Familienkreis, aber auch Fremde, die ihr durch den Hospizdienst vermittelt wurden. Für
Christine Deumers hat der Tod seinen Schrecken verloren, „er gehört zum Leben dazu“, weiß
sie. Und obwohl der Prozess auch für die Angehörigen kräftezehrend sein könne, bestehe gerade
in der Zeit des Sterbens die Chance auf Vergeben und Versöhnung. Einem zuvor fremden
Menschen in seinen letzten Tagen oder auch nur Stunden im Leben zur Seite zu stehen, „das
hat mich sehr berührt, aber es hat mir keine Probleme bereitet“, berichtet sie.
Mit ihren Erlebnissen werden die derzeit 80 ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und -begleiter
– in der Mehrheit melden sich Frauen für den Dienst – nicht allein gelassen. Hauptamtliche
Koordinatorinnen wie Petra Bahr-Rüschkamp vom Malteser Hilfsdienst stehen ihnen jederzeit
für Gespräche zur Verfügung, regelmäßig findet zudem ein Austausch in kleinen Gruppen statt.
„Eine unserer Hauptaufgaben ist die Begleitung der Begleiter“, erklärt die Koordinatorin. Dazu
zählt, dass sie genau abwägt, welche Ehrenamtlichen zur Begleitung eines Sterbenden geschickt
wird. „Die Menschen müssen zueinander passen“, betont sie. Trotz aller Erfahrung könne es
passieren, dass die Chemie nicht stimmt, dann suchen die Koordinatoren nach einer anderen
Begleitung. Und es muss zum Arbeits- und Familienleben der Helferinnen passen, viele stehen,
wie auch Christine Deumers, mitten im Berufsleben und haben eine Familie. „Niemand muss
drei Nächte ununterbrochen am Bett eines Sterbenden wachen“, betont Petra Bahr-Rüschkamp,
„wir berücksichtigen bei der Planung der Einsätze, was die Begleiterinnen leisten können“.
Ihr Zertifikat erhalten hat auch Bianca van Elten aus Uedem. „Die Fortbildung umfasst 100
Stunden“, berichtet sie, „zunächst gibt es einen Vorbereitungskurs, dann ein Praktikum, in dessen
Verlauf man Erfahrungen mit der Begleitung von Menschen in deren letzten Lebensphase
machen kann, und schließlich einen Aufbaukurs.“ Die Vorbereitung sei mehr auf die künftigen
Begleiter gerichtet, „da lernt man viel über sich selbst, seine eigene Einstellung zum Leben und
zum Tod“, berichtet sie, der Aufbaukurs richte den Blick dann auf die Sterbenden und deren
Angehörige. „Das war eine sehr bereichernde Zeit“, sagt Bianca van Elten, die zudem den würdigen
Rahmen der Zertifikatsverleihung lobt: „Wir haben die Übergabe mit einem Gottesdienst
gefeiert, der wirklich unter die Haut ging.“
Der Hospizdienst am Niederrhein ist zuständig für die Regionen Goch/Uedem/Kalkar sowie
Xanten/Sonsbeck und ist eng vernetzt mit den Hospizdiensten der angrenzenden Gebiete. Im
Bereich des Kinder- und Jugendhospizdienstes werden auch Familien in Straelen und Geldern
begleitet. Informationen sowohl für Angehörige als auch für Menschen, die sich für ein ehrenamtliches
Engagement interessieren, gibt es auf der Seite www.malteser-muenster.de oder direkt
bei Petra Bahr-Rüschkamp, zu erreichen per Mail an petra.bahr-rueschkamp@malteser.org
oder telefonisch unter 02825 53860.
Bildunterschrift
Petra Bahr-Rüschkamp (sitzend) begleitet als Koordinatorin auch Bianca van Elten (links) und
Christine Deumers, die ihr Zertifikat als ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen erhalten haben.
(Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian Breuer)

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