Weintrauben vom Kamper Berg sind der Lohn für das Ehrenamt

Pressedienst Bistum Münster 04.06.21
Weintrauben vom Kamper Berg sind der Lohn für das Ehrenamt
Karl van de Kamp ist einer von vielen freiwilligen Helfern
Kamp-Lintfort (pbm/cb). Immer wieder taucht ein heller Strohhut zwischen den Weinstöcken
auf, deren Reben sich der Sonne entgegen strecken. Mit sicherem Tritt und erstaunlichem
Tempo bewegt sich Karl van de Kamp zwischen den Pflanzen. Der kleine Weinberg von
Kloster Kamp ist das Reich des 80-Jährigen. Auf dem kleinen, abschüssigen Areal stehen einige
Weinstöcke in Reih‘ und Glied, van de Kamp hegt und pflegt jeden einzelnen von ihnen.
Dazu gehört auch, dass immer mal wieder die Heckenschere gezückt werden muss, wenn die
Reben nicht so wachsen, wie es für den besten Ertrag sein sollte.
Dass sich Karl van de Kamp um den Weinberg kümmert, ist ein Glück für die Anlage – und
dass es die Anlage gibt, ein Glück für Karl van de Kamp. Den gebürtigen Niederrheiner hatte
es nach dem Wehrdienst in ein Weinanbaugebiet verschlagen, erst arbeitete er als Industriekaufmann
für eine große Firma, doch bald heuerte er spontan auf einem Weingut an. Dort
blieb er 40 Jahre. „Ich war zuständig für alle anfallenden Arbeiten“, erzählt er lachend. Der
Weinberg war seine Passion. Als er mit Rentenbeginn zurück nach Kamp-Lintfort kam, schien
diese Zeit für immer vorbei. „Da bin ich in ein ziemlich tiefes Loch gefallen“, sagt van de
Kamp, während er sich im Schatten eines Baumes in einen Campingstuhl setzt und durchatmet.
Aus der Ferne hört man Autos auf der nahen B 510 vorbeirauschen, ansonsten ist es still und
friedlich hier. Nach einer kurzen Pause erzählt der Senior weiter: „Irgendwann kam meine
Frau mit einem Zeitungsartikel, in dem jemand für die Pflege eines Weinbergs gesucht wird.“
2016 war das. „Heute fragt meine Frau manchmal, ob ich nicht ein Bett im Weinberg aufstellen
möchte, weil ich hier so viel Zeit verbringe“, sagt van de Kamp und lächelt verschmitzt
unter seinem Strohhut hervor.
Das heutige Geistliche und Kulturelle Zentrum Kloster Kamp kennt er noch aus Kindertagen,
schon als Messdiener war er auf dem Kamper Berg. Vom Weinberg hatte er vorher noch nie
gehört. Seit er vor fünf Jahren, mit einem Team fleißiger Helfer, die Pflege ehrenamtlich
übernommen hat, hat sich dort viel getan. Fünf Traubensorten wachsen dort, drei rote und
zwei weiße, anders als in den Weinanbaugebieten sind das allerdings vor allen Dingen Speisetrauben.
„Die haben mehr Fruchtfleisch und würden sich nicht zum Keltern eignen“, erklärt
er den Unterschied zu den Früchten, aus denen die Winzer den Wein herstellen. Gelesen
wird in Kamp-Lintfort unter fachkundiger Leitung von van de Kamp per Hand. Die Ehrenamtler
dürfen für den Privatgebrauch Trauben mit nach Hause nehmen, die anderen werden
im Spendencafé zum Verzehr angeboten oder wandern in der Küche des Zentrums in den
Nachtisch.
Ab dem 5. Juni werden an jedem ersten Sonntag im Monat zwischen 10 und 15 Uhr regelmäßig
Führungen durch den Weinberg angeboten, van de Kamp und sein Team stehen dabei
auch für alle möglichen Fachfragen rund um die Pflege von Weinstöcken zur Verfügung. Eine
Anmeldung ist nicht erforderlich, die Ehrenamtler freuen sich am Ende der Führungen über
eine kleine Spende. Wer eine individuelle Führung an einem anderen Tag wünscht, kann sich
an die Verwaltung des Zentrums wenden.
Während van de Kamp sich wieder an die Arbeit macht, Unkraut jätet und sich auch um die
anderen Pflanzen kümmert, die rund um die Weinstöcke wachsen, steht Dr. Peter Hahnen
im Rokoko-Saal der Klosteranlage. Durch das Fenster lässt er seinen Blick über den Weinberg
schweifen. „Das ehrenamtliche Engagement ist die Basis unseres Zentrums“, erklärt der Leiter.
Rund 100 Frauen und Männer vom ganzen Niederrhein helfen dort freiwillig, als Gästeführer,
im Spendencafé, das nun endlich wieder öffnen darf, im Museum und im Kräutergarten.
„Neue Helfer sind immer herzlich willkommen“, betont Hahnen, „wir schauen hier weder
auf die Religion noch auf die Herkunft und freuen uns über jeden, der uns unterstützen
möchte.“ Dass sich jeder so einsetzt wie Karl van de Kamp, der Stunde um Stunde den Weinberg
pflegt, wird dabei übrigens nicht erwartet. „Jeder kann so helfen, wie es passt. Wir
möchten hier den guten Willen fördern und fordern, aber nicht melken“, sagt Hahnen lächelnd.
Wer sich engagieren möchte, wendet sich am besten telefonisch unter 02842 927540

Kontakt

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