Weihbischof Lohmann: „Wir müssen bereit sein, uns dem Neuen zu stellen“

Pressedienst Bistum Münster 01.05.21
Weihbischof Lohmann: „Wir müssen bereit sein, uns dem Neuen zu stellen“
Feierlicher Gottesdienst zur Eröffnung der Wallfahrt in Xanten-Marienbaum
Xanten-Marienbaum (pbm/cb). Die Bedeutung der Atemluft, sowohl im direkten als auch im
übertragenen Sinne, hat Weihbischof Rolf Lohmann in den Mittelpunkt seiner Predigt zur
Eröffnung der Wallfahrt in Xanten-Marienbaum gestellt. Der Regionalbischof für den Niederrhein
und Recklinghausen feierte die Wallfahrtseröffnung am 1. Mai in der Kirche St. Mariä
Himmelfahrt.
Nach wie vor mache die Corona-Pandemie deutlich, wie wichtig das Atmen sei, sagte Lohmann
und bezog sich dabei auf das diesjährige Wallfahrtsmotto „Atme in uns, Heiliger
Geist“. Die Situation weltweit, im Augenblick besonders stark in Indien, „führt uns in erschreckender
Weise vor Augen, was das für verheerende Folgen hat, wenn der Sauerstoff
ausbleibt“, sagte Lohmann. „Sichtbar wird das auch im Blick auf unser Klima und den Wandel,
wenn wir den CO-2-Ausstoß nicht drastisch verringern. Wenn es hier keinen Wandel gibt
– wie er ja sogar vom Bundesverfassungsgericht eingefordert wird – wird es mit dem Lebensatem
in der Schöpfung Gottes immer problematischer. Wir brauchen die Luft zum Atmen so
nötig.“
Die christliche Atemluft, schlug Lohmann den Bogen zur Situation der Kirche, hänge im Wesentlichen
vom Wirken des Geistes Gottes ab. „Unsere Kirche braucht neue Atemluft, sie
braucht – wie wir alle – Luft zum Atmen und damit Gottes Heiligen Geist, der sie neu machen
will und kann“, erklärte er. Dabei helfe das Evangelium. Doch „wenn wir Angst haben
vor dem Neuen, dann wird es schwierig, im Sinne Gottes den eigenen Weg weiterzugehen,
weil Angst immer ein schlechter Ratgeber ist“, führte er weiter aus. „Neu und anders“ habe
nichts mit Anpassung an den Zeitgeist zu tun, wie es der Kirche derzeit immer wieder vorgeworfen
werde.
Für das „christliche Atmen“ sei das Gebet, „dieser Atemstrom Gottes“, von höchster Bedeutung,
erklärte der Weihbischof. „Wie viele Menschen haben mir in dieser schweren Zeit der
Pandemie immer wieder gesagt, wie viel Kraft und Segen vom Gebet ausgehen? Und wie
stark spüren wir das, die wir als Christinnen und Christen unseren Glaubensweg weitergehen
wollen – trotz aller Widerfahrnisse aus dem Bereich von Kirche und Welt. Wir haben erlebt,
was Unglaubwürdigkeit, Vertuschung im Zusammenhang mit dem Missbrauch bedeuten, wie
viele Menschen gedemütigt worden sind. Und wir erleben, wie zermürbend es sein kann,
wenn ausstehende und längst überfällige Reformen nicht voran kommen. Auch hier ist das
Gebet enorm wichtig. Die Reformen müssen kommen, das ist für mich keine Frage. Aber das
Ringen darum – gerade auch im Gebet – wird entscheidend sein.“
Er sei, führte Lohmann weiter aus, überzeugt davon, dass Gottes Geist neue Perspektiven
eröffnen und weiterführende Orientierung geben kann. Er bekräftigte: „Dann müssen wir
aber auch bereit sein, uns dem Neuen zu stellen. Eine Kirche, wie ich sie noch erlebt habe,
wie wir sie vielleicht noch aus den 1970er- und 1980er-Jahren kennen, wird es nicht wieder
geben.“ Der Atem Gottes könne dabei helfen, „neu und anders zu denken und auch Kirche
und Gemeinde neu zu definieren“.
Dazu werde die Expertise aller gebraucht, forderte der Weihbischof, und „nicht nur der kleinen
Schar, die ja schon vor Corona das Bild in vielen Kirchen ausgezeichnet hat. Ich wünsche
mir, dass wir den Rat aller Generationen suchen, vor allem auch der jungen Menschen und
derjenigen, die sich von der Kirche abgewandt haben. Ich würde gerne von allen hören, wie
sie sich christliches Leben denken und wie wir es gemeinsam weiterentwickeln können – im
Sinne des Evangeliums, der guten Botschaft Jesu, die uns in schwierigen Situationen neu
aufhelfen kann. Das heißt: Wir brauchen das Gebet, wir brauchen das Gespräch und den
Austausch und wir brauchen eine Neuausrichtung von Gott her.“
Bildunterschrift
Weihbischof Rolf Lohmann hat die Wallfahrt in Marienbaum eröffnet. (Foto: Bischöfliche
Pressestelle / Harald Oppitz)

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