Karl Leisner - ein Vorbild in dunkler Zeit

Pressedienst Bistum Münster 24.06.21
Karl Leisner - ein Vorbild in dunkler Zeit
Festlicher Gottesdienst zum 25-jährigen Jubiläum der Seligsprechung
Xanten (pbm/cb). Oben im St.-Viktor-Dom verklingen gerade die letzten Takte des Schlussliedes,
die Kirchenbesucher bedanken sich mit Applaus für die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes,
während es unten, in der Krypta des Domes, still wird. Dort ist das Grab von Karl
Leisner, sein Name ist in den steinernen Sarkophag gemeißelt. Monika Kaiser-Haas, eine
Nichte Leisners, entzündet eine Kerze. Währenddessen spricht Weihbischof Rolf Lohmann ein
Gebet am Grab des Mannes, der 25 Jahre zuvor, am 23. Juni 1996, vom damaligen Papst Johannes
Paul II. selig gesprochen worden ist.
Mit einem Festgottesdienst wurde in Xanten an dieses Ereignis erinnert. Neben dem Altar
stand ein überlebensgroßes Porträt Leisners, mit Sprühfarbe von dem Künstler Mika Springwald
gestaltet. Fast schon klein und zerbrechlich hingegen wirkte der Kelch, mit dem die Eucharistie
gefeiert wurde – es war der Kelch, mit dem Karl Leisner im Konzentrationslager
Dachau seine erste und einzige Messe nach der geheimen Priesterweihe gefeiert hatte. Wie
modern das Gedenken an den Seligen sein kann, bewies der Liedermacher Gregor Linßen aus
Neuss. Im Auftrag des Internationalen Karl-Leisner-Kreises (IKLK) hatte er das Lied „Gott, gib
mir Mut“ geschrieben, das er beim Gedenkgottesdienst mit seiner Band AMI zum ersten Mal
aufführte.
Weihbischof Lohmann, der am Tag des Jubiläums Mitglied im IKLK geworden ist, sagte in seiner
Predigt: „Karl Leisner fasziniert mich jeden Tag neu.“ Er habe in dunkler Zeit voller Mut die
Wahrheit gesagt, die aber nur wenige hören wollten. Auch heute gelte es wieder, Mut zu zeigen
und nicht wegzusehen angesichts des Erstarkens rechts- wie linksextremer Gruppen. Im
neuen Karl-Leisner-Lied heißt es: „Es ist die Zeit, die Stimme zu erheben gegen das Reden der
falschen Propheten, die mit Hass und Hetze die Meinung vertreten, dass Liebe zu begrenzen
sei“. In dieser Gefahr würden wir heute wieder stehen, bezog sich der Weihbischof auf das
Lied, „wenn Menschen anderen Glaubens bedroht werden, jüdische Mitbürger wieder Angst
haben müssen, in ihre Synagogen zu gehen, um ihre Religion auszuüben, aber auch wenn sich
neue Nationalismen breit machen, die gefährlich sind und sich gegen unsere freiheitliche
Grundordnung richten“. Dabei gelte nicht das Wort „Wir können nichts machen“ – denn Christen
hätten aus dem Evangelium heraus die Kraft zu handeln.
Leisner sei ein „großartiger Zeuge“ der Botschaft Jesu: „Er war es damals in dunkler Zeit, er ist
es heute, er ist ein Vorbild, gerade auch für die jungen Menschen, denen er durch die Jugendarbeit
eng verbunden war“, sagte der Weihbischof. Er selbst werde täglich an den Seligen erinnert.
Nicht nur, weil er über dessen Grab den Gottesdienst feiert, auch auf seinem
Bischofsstab ist Leisners Porträt abgebildet. „Ich kann mich an ihm festhalten und auf ihn blicken“,
legte Lohmann dar.
Karl Leisner wurde 1915 in Rees geboren und wuchs in Kleve auf, wo er sich in der christlichen
Jugendarbeit einen Namen machte. 1938 trat er ins Priesterseminar in Münster ein und empfing
im März 1939 die Diakonenweihe durch den damaligen Bischof Clemens August Graf von
Galen. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler 1939 hatte sich Leisner kritisch gegenüber
dem Nazi-Regime geäußert und wurde von der Gestapo festgenommen. Er wurde in die Konzentrationslager
Sachsenhausen und später Dachau gebracht. Dort wurde er heimlich zum
Priester geweiht. Nach der Befreiung des KZ durch die Amerikaner starb Leisner schwer erkrankt
in Planegg. Zunächst wurde er in Kleve beigesetzt, am 3. September 1966 wurden die
Gebeine in die Krypta des Xantener Doms überführt. Der damalige Papst Johannes Paul II.
sprach Karl Leisner am 23. Juni 1996 selig.
Bildunterschriften
Leisner – Vor dem Porträt Karl Leisners, das der Künstler Mika Springwald gesprayed hat,
schwenkte Weihbischof Rolf Lohmann Weihrauch. (Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian
Breuer)
Predigt – In seiner Predigt stellte Weihbischof Lohmann, der seit dem 23. Juni Mitglied im IKLK
ist, die Bedeutung Karl Leisners als Vorbild bis in die heutige Zeit heraus. (Foto: Bischöfliche
Pressestelle / Christian Breuer)
Krypta – Am Grab des Seligen Karl Leisner in der Krypta des St.-Viktor-Doms sprach Weihbischof
Rolf Lohmann ein Gebet, unter anderem begleitet durch Monika Kaiser-Haas (links), einer
Nichte Leisners. (Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian Breuer)

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