Chor aus Dinslaken belegt dritten Platz beim Ehrenamtspreis des Bistums

Pressedienst Bistum Münster 09.09.21
Geflüchtete Frauen schöpfen Kraft aus der Musik
Chor aus Dinslaken belegt dritten Platz beim Ehrenamtspreis des Bistums
Dinslaken (pbm). Dieser Mittags-Impuls in der Herz-Jesu-Kirche Dinslaken-Oberlohberg hat
es in sich. Neun afrikanische Frauen, unterstützt von zwei Background-Sängern und einem
Pianisten, singen sich die Seele aus dem Leib, rufen zu Gott, bitten ihn um Halt, Trost und
Heilung. In schicker Abendgarderobe, aufwendig frisiert, mal mit starken Gesten, dann wieder
mit ruhigen Bewegungen groovt sich der Chor „good vibes only“ durch seine Darbietung
nigerianischer Traditionals, Gospels und Lobpreis-Songs.
Jennifer Michel Edokpolor gibt die Lieder an. Die 44-Jährige gehört zu den Ältesten, die sich
in dem Chor, der eine ganz besondere Geschichte hat, engagieren: „Uns ist es wichtig, etwas
zurückzugeben. Wir wollen die Menschen mit unserer Musik glücklich machen. Wir sind
dankbar, in Deutschland sein zu können“, sagt sie nach dem Konzert. Die Frauen sind größtenteils
vor sexueller Gewalt und Verfolgung aus Nigeria und anderen afrikanischen Staaten
nach Deutschland geflüchtet. Die Übergangseinrichtung „An der Fliehburg“ der Stadt Dinslaken
in Trägerschaft der Caritas Dinslaken-Wesel für geflüchtete Menschen ist momentane
Heimat der meisten Frauen von „good vibes only“.
Der Name des Chores, der übersetzt etwa bedeutet „Nur Gutes“, kommt nicht von ungefähr:
„Die Frauen haben alle ihr Schicksal zu tragen“, sagt Käthi Klein. Sie ist Sprecherin des Flüchtlingsprojekts
der Kirchengemeinde St. Vincentius Dinslaken, in dem sich seit 2015 etwa zehn
Ehrenamtliche der Gemeinde um die Menschen in der Fliehburg kümmern. Viele der Geflüchteten
tragen Verletzungen an Körper und Seele, sind traumatisiert, wollen nicht über
das Erlebte sprechen und sind in therapeutischer Behandlung. „Einige sind der Zwangsprostitution
entkommen, andere mussten als Hausmädchen in sklavenähnlichen Verhältnissen für
ihre Schlepper arbeiten“, beschreibt Käthi Klein die Schicksale der Frauen, von denen viele
alleinerziehend sind. Im Übergangsheim können sie nur warten – auf eine ungewisse Zukunft:
„Menschen, über deren Asylantrag noch nicht entschieden wurde, leben in einer sehr
schwierigen Situation. Als Flüchtlinge dürfen sie keine Arbeit aufnehmen und keine Sprachkurse
besuchen, bis ihr Status geklärt ist. Sie haben keine Perspektive.“
Auch aus diesem Grund trafen sich die Frauen 2019 erstmals und haben angefangen zu singen,
berichtet Klein. Die Intensität der Stimmen und die Emotionalität der auf Nigerianisch
vorgetragenen Songs habe sie nachhaltig beeindruckt: „Die Frauen schöpfen Kraft aus ihrer
Musik“, so Klein. Barthel Kalscheur, der leitende Pfarrer der Gemeinde, hat die Initiative von
Beginn an unterstützt. Für ihn ist es entscheidend, dass die Frauen positive Erfahrungen machen
können: „Es ist ein schwieriger Punkt in der Flüchtlingshilfe, dass sich die Menschen als
Bittsteller fühlen. Durch so ein Projekt bekommen sie ihre Würde zurück.“
Text: Marie-Theres Himstedt
Pressedienst Bistum Münster 09.09.21
Bildunterschrift
Wie eine große Familie: Die Ehrenamtlichen der Gemeinde St. Vincentius Dinslaken und die afrikanischen
Frauen aus dem Chor „good vibes only“, der für Toleranz und ein gutes Miteinander steht.
(Foto: Martin Büttner)

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