„Ich will selbst bestimmen. Bitte hört mir zu!“

Fachtag „Wünsche, Wille und Wohl rechtlich betreuter Menschen“ Donnerstag, 19. November 2026 | 10.00–15.30 Uhr, Gemeindeforum, Kirschenallee 50, 47443 Moers

Wenn der eigene Wille zählt: Fachtag in Moers rückt Selbstbestimmung in den Mittelpunkt. „Ich will selbst bestimmen. Bitte hört mir zu!“ Hinter diesen einfachen Sätzen steckt eine zentrale Frage rechtlicher Betreuung: Wie kann ein Mensch auch dann selbstbestimmt leben und entscheiden, wenn er im Alltag Unterstützung benötigt? Genau dieser Frage widmet sich der kostenlose Fachtag „Wünsche, Wille und Wohl rechtlich betreuter Menschen“ am Donnerstag, 19. November 2026, von 10 bis 15.30 Uhr im Gemeindeforum, Kirschenallee 50 in Moers. Eingeladen sind ehrenamtlich rechtlich Betreuende. Veranstaltet wird der Fachtag gemeinsam von den Betreuungsvereinen des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Moers, des Sozialdienstes katholischer Männer (SKM) und der Diakonie im Kirchenkreis Moers e.V. Im Mittelpunkt steht das Selbstbestimmungsrecht rechtlich betreuter Menschen – und damit ein Thema, das weit über juristische Paragrafen hinausgeht. Denn rechtliche Betreuung soll nicht bedeuten, dass andere über den Kopf eines Menschen hinweg entscheiden. Vielmehr geht es darum, den eigenen Willen wahrzunehmen, ernst zu nehmen und bei Entscheidungen zu berücksichtigen. Die Lebensgeschichte als Schlüssel zum Verstehen Eine besondere Perspektive bringt Annemarie Schweighofer-Brauer, Expertin für Biografiearbeit und Psychologin, in den Fachtag ein. Ihre zentrale Frage lautet: Wie bist du dahin gekommen, wo du heute bist? Und wie bist du zu dem Menschen geworden, der du heute bist? Biografiearbeit kann helfen, die Wünsche, Bedürfnisse und persönlichen Werte eines Menschen besser zu verstehen. Wer die Lebensgeschichte eines Menschen kennt, kann Entscheidungen häufig näher an dessen tatsächlichem Willen ausrichten. Dabei geht es um Fragen, die mitten ins Leben führen: Welche Erfahrungen haben mich geprägt? Wo stehe ich heute? Welche Wünsche und Ziele habe ich für mein Leben? „Nicht über mich, sondern mit mir!“ Besonders eindrucksvoll dürfte der persönliche Beitrag einer Selbstvertreterin werden. Eine rechtlich betreute Frau berichtet aus ihrer eigenen Perspektive, wie sich Wünsche, Wille und das Verständnis vom eigenen Wohl im Laufe der Jahre verändern können. Was wird als hilfreiche Unterstützung erlebt – und wann wird Unterstützung plötzlich zur Behinderung? Fragen wie diese machen deutlich, dass Selbstbestimmung nicht mit einer einmal getroffenen Entscheidung endet. Menschen verändern sich, entwickeln neue Wünsche und setzen andere Prioritäten. Wo endet die Pflicht zur Wunscherfüllung? Auch die rechtliche Seite kommt nicht zu kurz. Heike Kersting, Richterin am Betreuungsgericht Moers, beleuchtet die gesetzlichen Anforderungen an rechtlich Betreuende. Unter dem Leitgedanken „Nicht über mich, sondern mit mir!“ geht es unter anderem darum, welche Bedeutung Wille und Wünsche der betreuten Person haben und welche Pflichten Betreuende bei der Feststellung und Umsetzung dieser Wünsche haben. Zugleich stellt sich die schwierige Frage: Wo liegen die Grenzen der Pflicht zur Wunscherfüllung? Damit verbindet der Fachtag persönliche Erfahrungen mit biografischen, psychologischen und rechtlichen Perspektiven – und bietet Raum für Austausch und neue Impulse für die tägliche Betreuungspraxis. Ein Tag, der zum Perspektivwechsel einlädt Der Fachtag macht deutlich: Gute rechtliche Betreuung beginnt nicht mit der Frage „Was ist für diesen Menschen am besten?“, sondern zunächst mit dem Zuhören: „Was ist diesem Menschen wichtig?“ Für ehrenamtlich rechtlich Betreuende bietet die Veranstaltung deshalb nicht nur fachliche Informationen, sondern auch die Möglichkeit, die eigene Haltung und den eigenen Betreuungsalltag zu reflektieren. Die Teilnahme ist kostenlos. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Eine Anmeldung ist bis zum 9. November 2026 möglich bei Monika Berszuck, Telefon: 02841 9225119, E-Mail: aaQerschnitt(at)skf-moers.de

Text: Skf Moers
Foto: Pixabay